本帖最后由 墙头于我如浮云 于 2024-2-10 14:14 编辑
全文提到W.S的地方不多,结尾附原文。
我不知道是谁想出开一个“小猫沙龙”的主意,但我怀疑是瓦尔特·舒伦堡。他们建立了一个最高级别的接待外交人员的机构,并在那里安插了柏林女士中的精英。如果偶尔发生金钱损失,他们会从国库那儿收到补贴。监听中心的建立,不可能由传统的资产阶级手段建造。在这里,最先进的监听设备藏匿于墙壁和家具之间。很快(甚至在战争开始之前),就再也谈不上家庭生活了。我必须单独操持对孩子的教育、维持与父母和兄弟姐妹的联系,甚至发出少量的来我们家里作客的邀请。然后我开始指责莱因哈德,并迫使他至少在周末和我们待在一起,和家人待在一起。这个提议在一段时间内进展顺利,但很快他又有各种各样的借口,一些被他反复提到的理由使我们再次无法团聚。
有一天,我不可避免地要面对这样一个问题:我是否应当采取一些可能会使婚姻处于危险之中的行动。但我没有天赋,我只是一个等待丈夫回心转意的家庭主妇。这些矛盾的想法在我的脑海里盘旋,整日嗡嗡作响......这时,一个巧合突然来到我的身边,并最终给了我很大的帮助。在莱因哈德的办公室里,有一位叫瓦尔特·舒伦堡的年轻评估员。他刚结婚,却无法和妻子好好相处,他心痛地向我诉苦并寻求帮助。他希望我能跟他的妻子聊聊,改变一下她的思想。我很高兴地准备好一切,并邀请舒伦堡夫人和我一起前往我们的狩猎小屋。我们在森林里散步,我希望她能够对我敞开心扉。我得知她比她的丈夫大很多,她资助他完成学业,以便能在之后与他结婚。然而随着时间的推移两者的心态都发生了一些变化,现在,他们之间的感情日渐疏远,甚至前后还发生了暴力冲突,所以我想我应该解决帮助他们解决此事。我试图向舒伦堡夫人建议,慷慨大方是应对这一过渡阶段的唯一途径。几天后,我找到我丈夫并告诉了他这场女人间的谈话。通过这次散步使我了解到,这对夫妻间沟通的最大障碍是年长女人不寻常的嫉妒......嫉妒?我接着发现,对我来说,我可以不费吹灰之力便使舒伦堡对我倾心,从而使莱因哈德也嫉妒。我应该以此为突破口并展开行动,因此我决定以“对其婚姻进行监管”的理由更加频繁地邀请已婚的舒伦堡前来做客———而且暂时不告诉别人。舒伦堡的婚姻很快就凉了,但我和莱因哈德的婚姻却得以幸存,又变得美好起来。一天,舒伦堡女士在丈夫走进公寓时往他的脸上泼了一瓶盐酸,结果显而易见,他们最后离婚了。
关于我们,这个家庭对于莱因哈德来说,在很长一段时间更像是一个“避难所”,并再次成为我们共同生活中明确定义的一部分。周六的午餐时间(莱因哈德至少工作到周末中午),一般是由盖世太保首领的“先锋队”先送来大捆的文件和档案袋,然后莱因哈德才以一家之主的姿态出现 。在和孩子们一起吃饭期间,总会有一场父子间的玩闹。直到那时,莱因哈德才和我们的儿子们建立了“正常的”父子关系,直到那时,他才意识到当初他留给我一个人解决的问题有多么困难。但是后来,我又经历了一个完全不同的父亲般的海德里希。那是我们的女儿西尔克在1939年复活节星期日出生后,在此之前莱因哈德一直只有儿子。也许正是因为这个原因,他一直希望家中成员能够一起支持他的男性权威, 在与孩子们的游戏中可能存在潜意识中的关于血统的陈旧思想。但是,当这个女儿———一个对我们来说是一个“特殊的婴儿”出生了,我的丈夫就像变了个人,我都要几乎不认识他了。他走到哪儿都抱着她,后来当时机成熟时,还亲自给她递酒瓶子,无论对方是否感兴趣,他都要向所有人炫耀不已。没人能避免这种情况,每个人都必须搜肠刮肚地寻找钦佩之词,以满足这位骄傲的父亲。有时候,我觉得这个女儿是触发莱因哈德父爱的诱因,他开始有意识地在家庭中寻找他的职业所没有给他的幸福和满足。现在,在人性的自然过程中,他发现了比他在思想政治中获得的更多的真理。他开始相信家庭是人类唯一的自然纽带,当他于1942年去世前的弥留之际,他并没有说我应该管理他的遗产或支持他的事业,只对我说:“回到费马恩岛去。”(回到家庭的膝上)。
体育作为一种社会纽带,对我也有着特别的吸引力。我和莱因哈德一同参加一些与之有关的场合,不仅遇到了在希姆莱帝国中扮演重要角色的人们,而且这些活动还给了像我这种作为盖世太保首领的妻子一些特殊的改变。例如,以下就是我学习骑马的始末,首先是阿恩·费迪南德·绍尔布吕克(Arne Ferdinand Sauerbruch),马克思·德·克里尼斯(Max de Crinis)和他的妻子莉莉,他们与莱因哈德和瓦尔特·舒伦堡一起在骑兵上尉罗斯的马场中骑马。任何一个想要保持声誉的人都不会在这里骑马:马房岌岌可危,门仿佛像是挂在铰链上的一般,只能通过摇摇欲坠的楼梯到达所谓的“办公室”,马场主和他的马有共同的特征:老,忠诚,绝对可靠。罗斯几乎是盲目的,他在各个方面都感到害怕,但他从来没有表现出自己的内心和外在的疾病。他一直是老派的地道骑兵,由于我一开始对这种运动一无所知,所以他完全不关心我,只是完全按照程序完成了他的义务,这就是我如何学会骑马的始末。格拉茨药剂师的儿子德·克里尼斯显然是个地道的德国人,从来不想学开车,在他看来马就是一种纯粹的交通工具,他能够于周日的早晨毫不费力地骑马漫游整个格鲁内瓦尔德。当他的马按照常规疾驰,而我们却在后面慢悠悠地漫步时,这总是让他很烦。莱因哈德在这里大显身手,由于他是唯一一个被称为“骑兵”的人,所以他总是参加一些额外的骑行。舒伦堡和我一样都是新手,莉莉·德·克里尼斯总是能在马房里拥有最小的马,因为她那娇小的身材,这匹马是专门为她准备的。
波兰战役结束后,当情报部门在战争阶段之间的喘息期间专门将精力集中在为西方进行特殊的准备工作时,莱因哈德启用了德·克里斯尼斯。他,舒伦堡和一个自从他还活着起就被人们称为CH的人被委任与英国情报部门的负责人贝斯特和史蒂文斯交谈。我们的人设法与英国那边取得了联系,经过几次商谈,他们在边界附近的文洛进行了会面。一个党卫军“突击队”被藏在暗处,而德·克里斯尼斯,舒伦堡和CH则在文洛的一个咖啡馆里接见贝斯特和史蒂文森,当他们靠近咖啡馆的时候,这两名英国情报部门的负责人被“逮捕”,并被带去了德国战俘营。马克斯·德·克里斯尼斯(Max de Crinis),瓦尔特·舒伦堡(Walter Schellenberg)和CH是最早在西方战役中获得头等铁十字勋章的德国人。这此运动之所以如此成功,是因为这三个人对秘密战线的留心,最终使得流血很少。顺便说一句:战后这两名英国人安全地返回了家乡。
评论及增补
相对肯定的是,在1939年不是舒伦堡,海德里希才是吉塞布雷希特11号街“小猫沙龙”的发起者,在那里,经过他们精心挑选的女招待会与外交官和社会的其他绅士睡觉。海德里希雇佣的专家在房子的地下室工作,负责截获所有人的陈述,包括盖世太保和保安局里那些不知道麦克风存在的男人们的对话。
出色的策划人舒伦堡最终成为保安局外国情报部门负责人,在海德里希晋升为党卫军上将并被任命为波希米亚和摩拉维亚总督后,他站在了海因里希·希姆莱(Heinrich Himmler)的身边,他当然支持马丁·博尔曼(Martin Bormann)对于海德里希晋升一事的“冷漠”。众所周知,海德里希和舒伦堡不是朋友。莉娜·海德里希(Lina Heydrich)在这段关系中所占的份额可以通过她的这份自传来表明,虽然她在这方面的叙述十分保留。
帝国安全总局第六部门,即国外情报处,通过弗兰茨(Franz)向英国人提供了精心准备的游戏情报。按照帝国安全总局的说法,也许间谍队长的建议值得一试。在执行这项任务上,没有比舒伦堡更合适的人选了,他与海德里希的关系最为亲厚。他很快就成为了国防军(OKW)运输部的施梅尔上尉,戴一副单片眼镜,身怀德国反对派的重要秘密。代号为F479的一名保安局特工在其中充当了中间介绍人,10月21日,戴单片眼镜的施梅尔(Schellenberg)和同样佩戴单片眼镜的贝斯特同乘一辆车,英国人驾驶着一辆别克将他们带往荷兰阿纳姆(Arnhem),在那里,从事间谍活动的另外两个人正在等待:英国情报少校史蒂文斯(Stevens)和一名荷兰总参谋部的军官,他自称库珀(Copper),但实际上他的真名是克洛普(Klop)。三个陌生人对他们刚认识的德国友人的提议非常感兴趣。德国人(Schellenberg)将一名商店店长假扮成将军,称其正计划与其他军事人员发动政变,以对付希特勒。他们同意在10月30日再次见面,舒伦堡再次前往荷兰。科波普·科洛普(Copper Klop)故意安排了一次对舒伦堡的错误逮捕,作为对这次阴谋的掩盖。舒伦堡等一干德国人的证件本可被一眼看穿,但英国人信任这些党卫军,在形式急转而下的时候他们甚至给了他一个发报机,让他在仓促间可以发出求助信号,号码是:ON 4。
在慕尼黑的贝格勃劳凯勒啤酒馆的演讲中,有人尝试对元首实施刺杀,然而元首几分钟前就离开了房间。这绝对是来自英国特勤局的阴谋,然后希姆莱下达了希特勒的命令:立即逮捕史蒂文斯和贝斯特,并把他们带回帝国。舒伦堡选择从命,几天以来,他一直在为任务做准备。保安局的瑙约克斯已经做好了突袭的准备,舒伦堡安排了那两名英国人于第二天下午在荷兰边境小镇文洛会面。11月9日下午3时,保安局特工在文洛的一个边境咖啡馆内就位。短短几分钟的时间过得异常缓慢、凝滞且令人不安,舒伦堡向窗外望去,死死盯着街道:他们必须在在英国人进入咖啡店之前将他们拿下。然后,舒伦堡看到贝斯特正在接近,党卫军成员连忙走上街头,以礼貌的姿态迎接来者,可当贝斯特和史蒂文斯走近的时候,突然一辆敞篷的保安局汽车疾驰而来,冲破了边境屏障,停在两名英国人面前,并朝他们开火。英国人也拔出了他们的手枪,瑙约克斯和他的手下一起跳出车外,击垮了英国人,他的荷兰同伴克洛普在枪击中受到重伤,但他也被带走了。与此同时,舒伦堡冲到停在咖啡馆后面的垃圾堆后躲了起来———几分钟后,一切都结束了:恶作剧成功了。第二天,德国的宣传机器开始运作,德国人很快便了解到,帝国的安全机构已成功地逮捕令人发指的暗杀元首的策划者。
舒伦堡少将被元首亲自授予铁十字勋章,希特勒以这种方式表达对国际法的蔑视,他甚至邀请他与党卫军代表们一起在帝国总理府共进晚餐。然而在餐桌上,这位党卫军领导人的自负却另希特勒十分不悦。舒伦堡说,暗杀从来不是英国特勤局的工作,当然不是史蒂文斯和贝斯特这两名囚犯的工作。在他看来,只有一个人有暗杀的动机,即行凶者乔治·埃尔瑟(Georg Elser)。希姆莱立刻低声说:“我的元首,那只是舒伦堡的个人观点。”但实际上,这是帝国保安局总办公室的一致意见。
舒伦堡以前曾研究过里杜克里米纳尔波利泽安特(Reidukriminalpolizeiamtes)的档案,但只得出一个结论:即埃尔瑟是唯一的犯罪者。 刑事警察的老大内贝(Nebe)于11月9日晚从杜贝里茨(Döberitz)机场起飞,为调查此次的暗杀而成立的特别委员会(成员:海德里希,盖世太保缪勒,内贝和一些爆炸学专家)对慕尼黑贝格勃劳凯勒啤酒馆的安保工作进行了一场彻底的调查,但是内比没有发现比慕尼黑刑警中心已经发现的更多的东西了。
原文
Wer auf die Idee gekommen ist, einen “Salon Kitty” aufzumachen, weiß ich nicht. Ich vermute, daß es Walter Schellenberg war.") Es wurde ein Etablissement auf höchster Ebene für Diplomaten eingerichtet und die Elite der Berliner Damen des leichten Gewerbes aufgeboten. Bei gelegentlichem Geldausfall erhielten sie ihr Honorar aus der Staatskasse. Eine Nachrichtenzentrale entstand, die mit traditionellen, bürgerlichen Mitteln gar nicht hätte aufgebaut werden können. Auch hier ist modernste Technik angewandt worden — in den Wänden und Möbeln. Von einem Familienleben kann bald (schon vor Beginn des Krieges) keine Rede mehr sein. Die Erziehung der Kinder, die Verbindung zu den Eltern und Geschwistern, ja selbst die wenigen Einladungen, die wir geben, alles das muß ich allein bewältigen und verantworten. Und dann beginne ich Reinhard Vorwürfe zu machen und ihn zu bedrängen, doch wenigstens übers Wochenende bei uns zu sein, bei der Familie. Das geht eine Weile gut. Doch bald gibt es Ausreden aller Art, und Reinhard nennt immer wieder Gründe, die das Zusammensein unmöglich machen.
Eines Tages stehe ich zwangsläufig vor der Frage ob es lohne, durch mein Verhalten die Ehe aufs Spiel zu setzen. Doch zur immer nur wartenden Hausfrau habe ich kein Talent. Es muckt und rumort in mir ... Ein Zufall kommt mir plötzlich zu Hilfe.In Reinhards Amt gibt es einen jungen Assessor, Walter Schellenberg. Er hat soeben geheiratet und kommt mit seiner Frau nicht zurecht. Er vertraut sich mir an und bitter mich, ihm zu helfen. Ich möge doch, so driidu er sich aus, seiner Frau “den Kopf zurechtsetzen”. Ich bin gern dazu bereit und lade Frau Schellenberg ein, mit mir zu unserer Jagdhütte zu fahren. Im Wald, bei einem Spaziergang, wird sie, wie ich hoffe, sich alles von der Seele reden können. Sie, eine ehemalige Schneiderin, ist viel älter als ihr Mann, dem sie —im Hinblick auf eine spätere Ehe — das Studium finanziert hat. Inzwischen haben beide jedoch einen Wandlungsprozeß durchge-macht; nun stimmt es vorn und hinten nicht mehr. Es kommt zu heftigen Auseinandersetzungen. Ich soll also schlichten. Ich ver-suche Frau Schellenberg klarzumachen, daß Großzügigkeit die ein-zige Möglichkeit sei, diesen Anpassungsprozeß zu bewältigen. Den Ehemann bitte ich einige Tage später zu mir und berichte ihm von der Unterhaltung von “Frau zu Frau”. Dabei erfahre ich, daß das größte Verständigungshindernis die ungewöhnliche Eifersucht der älteren Frau darstellt ... Eifersucht? Bei mir fällt der Groschen. Reinhard ist ebenfalls sehr eifersüchtig. Damit müßte ich etwas beginnen können, und ich beschließe, den in Ehenot befindlichen Schellenberg “zwedts Regulierung seiner Ehe” häufiger — und betont ostentativ einzuladen. Schellenbergs Ehe war nicht mehr zu retten, unsere dagegen überlebte und wurde wieder gut. Als Frau Schellenberg ihrem Mann eines Tages beim Betreten der Wohnung Salzsäure ins Gesicht spritzt, ist das Ende da. Die Ehe wird geschieden.
Bei uns ist die Familie, für Reinhard lange nur so etwas wie ein "Refugium", wieder zu einem fest umrissenen Bestandteil des gemeinsamen Lebens geworden. Am Sonnabend mittag (Reinhard arbeitete an Wochenenden mindestens bis 12 Uhr mittags im Amt) kommt seitdem immer zuerst die “Vorhut” des GestapoChefs mit riesigen Akten-bündeln und didcleibigen Taschen, und dann erscheint auch Reinhard selbst — und ist Familienvater. Zusammen mit den Kindern wird gegessen. Zwischendurch fällt jetzt stets auch eine Spielstunde für Vater und Söhne ab. Erst jetzt bekommt Reinhard ein “normales” Verhältnis zu unseren Söhnen, und erst jetzt erkennt er auch die Schwierigkeiten, die er bis dahin mir allein zur Lösung überlassen hat. Doch ich erlebe noch einmal einen ganz anderen Vater Heydrich. Es ist, nachdem am Ostersonntag 1939 unsere Tochter Silke zur Welt gekommen ist. Reinhard hatte sich immer nur Söhne gewünsdn. Vielleicht hat cr durch sie eint Unterstützung seiner männlichen Autorität erhofft. Es mögen unterschwellig auch alte Sippenvorstellungen im Spiele gewesen sein. Als jedoch diese Tochter, für uns eine “Sonderausführung von Baby”, zur Welt kommt, kenne ich meinen Mann gar nicht wieder. Er schleppt sie mit sich herum, gibt ihr später, als es so weit ist, selbst die Flasche und zeigt sie mit überquellender Bewunderung jedem, ob er sie sehen will oder nicht. Keiner kann sich dem entziehen, und jeder muß Bewunderungsworte suchen, um den stolzen Vater einigermaßen zufriedenzustellen. Manchmal habe ich das Gefühl, daß diese Tochter ein Auslösungsmoment für Reinhard gewesen ist, der in der Familie nun ganz bewußt das Glück und die Erfüllung sucht, die ihm sein Beruf nicht geben. In dem menschlich naturgegebenen Ablauf findet er nun mehr Wahrheit als in Thesen und politisch-weltanschaulichen Vorstellungen. Er fängt an, daran zu glauben, daß die Familie die einzig natürliche Bindung des Men-schen ist. Und als er 1942 stirbt, sagt er nicht, daß ich sein Erbe verwalten oder für ihn eintreten solle, sondern: “Geh' zurück nach Fehmarn” (kehre in den Schoß der Familie zurück).
Der Sport als gesellschaftliches Bindeglied hat für mich einen besonderen Reiz gehabt. Ich ging mit Reinhard mit, kam mit Leuten zusammen, die nicht nur im Rahmen des Himmler-Imperiums maßgeblich fungierten und mir als Frau des Gestapo-Chefs so eine besondere Abwechslung boten. So kam ich beispielsweise auch zur Reiterei, und sie begann im Kreise der Arne Ferdinand Sauerbruch und Max de Crinis und dessen Frau Lilli, die neben Reinhard und Walter Schellenberg im Reitstall des ehemaligen Kaval-lerie-Hauptmanns Rose in Berlin ritten. Kein Mensch, der auf Reputation hielt, hätte hier ein Pferd bestiegen. Die Stallungen waren krumm und schief, die Türen hingen in den Angeln und das ‚Büro" konnte nur über eine wacklige Stiege erreicht werden. Der Reitstallbesitzer und seine Pferde hatten gemeinsame Eigen-schaften: alt, treu und absolut zuverlässig. Rose war zudem fast blind; in jeder Hinsicht ging es ihm schledu. Aber niemals zeigte er seine inneren und äußeren Gebrechen. Immer war er der ver-bindliche Kavallerist und Kavallier der alten Schule. Da ich am Beginn keine Ahnung von diesem Sport hatte, bekam ich ein Pferd, das wie für den Zirkus dressiert war. Es kümmerte sich überhaupt nicht um mich, absolvierte auftragsgemäß sein Pro-gramm, und so habe ich das Reiten von diesem Pferd gelernt. Der Grazer Apothekersohn de Crinis, der sich betont großdeutsch gab, hatte nie die Absicht, reiten zu lernen. Für ihn war das Pferd ein reines Transportmittel, mit dessen Hilfe er am Sonntagmorgen ohne eigene Mühe als “Herrenreiter" durch den Grunewald streifen konnte. Wenn dann die abgegrenzte Galoppstredte vor uns lag und auch sein Pferd vorschriftsmäßig angaloppierte, war ihm dies immer sehr lästig. Reinhard entwickelte auch hier sehr viel Ehrgeiz. Da er der einzige war, auf den die Bezeichnung _Reiter" zutraf, machte er immer Extratouren. Schellenberg war — wie ich — ein Neuling. Lilli de Crinis bekam, ihrer zierlichen Figur entsprechend, stets das kleinste Pferd des Stalles, das sich der “Allgemeinheit” anpaßte.
Nach dem Polenfeldzug, als sich der Nachrichtendienst speziell auf den Westen konzentrierte, um in der Atempause zwischen den Kriegsphasen besondere Vorarbeiten zu leisten, schaltete Reinhard auch de Crinis ein. Er, Schellenberg und ein Mann, den ich, da er noch lebt, Ch nennen möchte, wurden beauftragt, mit den Briten Best und Stevenson ins Gespräch zu kommen, die als Leiter des englischen und des niederländischen Geheimdienstes fungierten. Unseren Leuten gelang es, mit den Engländern ins Gespräch zu kommen. Nach mehreren Treffs verabredeten sie sich in Venlo, nahe der Grenze. Ein SS-“Überfallkommando” hielt sich verborgen, und während de Crinis, Schellenberg und Ch im Wartesaal des Bahnhofs von Venlo mit Best und Stevenson zusammentrafen, wurde zugegriffen. Die leitenden Köpfe des englischen Nachrichtendienstes wurden “hopp genommen” und traten den Weg in die deutsche Kriegsgefangenschaft an. Max de Crinis, Walter Schellenberg und Ch erhielten im Westfeldzug als erste Deutsche das Eiser-ne Kreuz Erster Klasse. Daß dieser Feldzug so erfolgreich werden konnte und daß dabei so wenig Blut vergossen wurde, war diesen drei Männern und der Sorgfaltspflicht der geheimen Front zu verdanken.") Nebenbei gesagt: beide Engländer kamen nach dem Kriege wieder wohlbehalten zu Hause an.
Kommentare
Als relativ gesichert gilt, daß 1939 nicht Schellenberg, sondern Heydrich der Initiator des “Salon Kitty”in der Berliner Gisebrechtstraße 11 war, in dem sorgfältig ausgewählte Dirnen mit Diplomaten und anderen Herren der Gesellschaft schliefen (Honorar: 200 Mark). Heydridn Spezialisten befanden sich im Keller des Hauses und schnitten alle Äußerungen der Männer, die nicht wuß-ten, daß überall Mikrophone angebracht waren, für die Gestapo und den SD mit.
Der außerordentlich geschickte Intrigant Schellenberg, schließlich Chef des Auslandsnachrichtendienstes des SD, schlug sich nach Heydrichs Beförderung zum SS-Obergruppenführer und der Ernennung zum Stellvertretenden Reichsstatthalter von Böhmen und Mähren auf die Seite Heinrich Iiimmlers, der die von Martin Bormann unterstützten Beförderungen Heydrichs durchaus “nicht be-geistert”aufnahm. Daß Heydrich und Schellenberg keine Freunde wären, ist seit jeher bekannt. Welchen Anteil Lina Heydrich an diesem Verhältnis hatte, deuten möglicherweise ihre — auch in die-ser Hinsicht besonders zurückhaltenden Darstellungen an.
Der Ausland SD, Amt VI des Reichssicherheitshauptamtes, versorgte via Franz den Briten mit sorgfältig präpariertem Spielmaterial. Im RSHA urteilte man, es würde sich vielleicht lohnen, den Spionage Captain genauer auszuhorchen. Für diese Mission kannte Heydrich keinen besseren Mann als seinen Intimus Schellenberg. Der verwandelte sich flugs in einen Hauptmann Schemmel von der Transportabteilung des OKW, Träger eines Monokels und wichtiger Geheimnisse der innerdeutschen Opposition. F 479 vermittelte die Verbindung, und am 21. Oktober saß der Monokelträger Schemmel in den Niederlanden dem Monokelträger Best gegenüber. Der Brite steuerte in seinem Buick den Schellenberg-Schemmel ins niederländische Arnheim, wo zwei weitere Herren aus dem Spionagegewerbe warteten: der britische Geheimdienst-Major Stevens und ein holländischer Generalstabsoffizier, der sich Copper nannte und in Wirklichkeit Klop hieß. Die drei Fremden waren an den Offenbarungen ihres, neuen deutschen Freundes überaus interessiert. Der Deutsche gab sich als Vertrauensmann eines Generals aus, der mit anderen Militärs einen Staatsstreich gegen Hitler plant. Man verabredete sich zu einem neuen Gespräch am 30. Oktober, und wieder fuhr ScheIlenberg in die Niederlande. Zwar hatte Copper Klop eine kleine als Irrtum getarnte Verhaftung Schellenbergs arrangiert, um die. Papiere des Deutschen ungestört durchsehen zu konnen, aber die Briten vertrauten dem SS-Mann. Siegaben ihm sogar ein Funkgerat fur eilige Nachrichten mit, Rufzeichen: ON 4.
Abschluß der Ansprache im Bürgerbräukeller in München ist ein Attentat auf den Führer verübt worden. Der Führer hatte jedoch den Saal einige Minuten zuvor verlassen. Es handelt sich hier bestimmt um einen Anschlag des englischen Secret Service. Dann gab Himmler den Befehl Hitlers durch: Sofort Stevens und Best verhaften und ins Reich bringen. Schellenberg gehorchte. Auf das Unternehmen war er seit Tagen vorbereitet: SD Naujocks stand mit einem Überfallkommando bereit, Schellenberg hatte sich mit den beiden Briten für den Nachmittag des nächsten Tages in dem niederländischen Grenzort Venlo verabredet. Es war 15 Uhr, als sich der SD Mann am 9. November in einem der grenznächsten Cafh von Venlo niederließ. Die Minuten rannen träge dahin, lähmend, entnervend. Schellenberg sah aus dem Fenster und beobachtete die Straße — der Schlag mußte kommen, noch ehe die Briten das Cafi betreten hatten. Da sah Schellenberg, daß Bests Buick heranfuhr. Der SS Mann ging mit gutgespielter Gemädilichkeit auf die Straße, um die Ankömmlinge zu begrüßen, Best und Stevens kamen näher. In diesem Augenblick fuhr ein offener SS Wagen heran, durchbrach die Grenzsperre und hielt vor den beiden Briten. Einige Maschi-nenpistolen feuerten, die Briten rissen ihre Pistolen heraus. Naujocks sprang mit seinen Männern aus dem Wagen und überrum-pelte die Briten, deren holländischer Begleiter Klop war schwer angeschossen, aber auch er wurde mitgenommen. Derweil hastete Schellenberg zu seinem hinter dem Kaffeehaus abgestellten Wagen — in wenigen Minuten hatte sich alles abgespielt: Der Streich war gelungen. Am nächsten Tag lief die deutsche Propagandamaschine an. Die Deutschen erfuhren, daß es den Sicherheitsorganen des Reiches gelungen sei, die Drahtzieher des abscheulichen Attentats auf den Führer zu verhaften.
SS-Oberführer Walter Schellenberg durfte aus der Hand des Führers das Eiserne Kreuz Erster Klasse für seine Bravour tat wider das Völkerrecht entgegennehmen, der Diktator lud ihn sogar zusammen mit der SS-Prominenz zum Abendessen in der Reichskanzlei ein. An der Abendtafel bereitete freilich der vorlaute Benjamin der SS-Führung dem Hausherrn eine arge Enttäuschung. Er meinte, das Attentat auf den Führer sei niemals ein Werk des britischen Geheimdienstes gewesen, ganz sicher nicht der beiden Gefangenen Stevens und Best; seines Erachtens habe nur einer das Attentat auf dem Gewissen, eben der Täter —Georg Elser. Himmler dämpfte sofort: “Mein Führer, das ist nur seine (Sthellenbergs) Auffassung.” In Wahrheit war es die einheitliche Meinung des Reidnsicherheitshauptamtes. Schellenberg hatte zuvor die Akten des Reidukriminalpolizeiamtes studiert, und die ließen nur einen Schluß zu: Elser war der Alleintäter. Kripo-Chef Nebe war noch in der Nacht zum 9. November mit der Sonderkommission .Attentats (Mitglieder: Heydrich, Gestapo-Müller, Nebe-Stellver-treter Lobbes und Sprengstoffexperten) vom Flugplatz Döberitz aufgebrochen, um die Spuren im Münchener Bürgerbräukeller zu sichern. Nebe fand allerdings nicht viel mehr, als die Kripo-Leit-stelle München bereits registriert hatte ... Höhne, Heinz, Der Orden unter dem Totenkopf. Die Geschichte der SS. Gütersloh 1967.
|